Ein Rückblick
- aufgezeichnet
von Johann Thoma,
Spaichingen
"Wenn der Wind über die Herbststoppeln geht, ist es Zeit, sich ein Kirbaimädel zu verlangen".
Das größte Fest im Jahresablauf
war für die Triebswetterer (ebenso wie für die meisten der übrigen
Banater Schwaben-Dörfer) die "Kirbai".
Ursprünglich am Tage der Kirchenweihe ein
überlieferter Brauch von den Ansiedlern
aus den Herkunftsgebieten, wurde das
Fest bei uns am Dreifaltigkeitssonntag
im August als reines Kirchenfest gefeiert.
Im Zuge der Durchführung einer Kaiserlich
– Königlichen Verordnung vom Jahre 1786, wonach
Kirchweihfeste in den Herbst "wo die Feldarbeit
bereits schon am meisten schon ihre Endschaft hat"
verlegt werden sollen, ist so um die Jahrhundertwende
(ca. 1810- 1820) die Kirchweihe in
Triebswetter für den Sonntag nach
Martini (11. November) festgelegt worden. Im Laufe der
Jahre und sicherlich auch nicht ohne Einfluß
des Brauchtums in den benachbarten Gemeinden,
der Kirche und auch nicht zuletzt der
Gastwirte ist aus dem einfachen kirchlichen Fest die
"Freß- Kirchweih" entstanden, wie
sie von Pfarrer Karl Böhm (in Triebswetter von 1863-1881)
im 1878 sarkastisch und auch etwas böswillig
beschrieben wurde. (Heimatbuch Triebswetter S. 390-394).
Es erscheint mir deshalb angebracht, als
einer der die "Kirbai" in den 1930-er Jahren miterlebt
und Teilweise als "Kirbaibuh" mitgemacht
hat, eine objektivere und ausführlichere
Darstellung unserer "Kirbai" zu geben
als dies Pfarrer Böhm getan hat.
Schon von unseren Großeltern hatten
wir erfahren, dass: "wenn der Wind über die Herbststoppeln
geht, ist es Zeit, sich ein "Kirbaimädel"
zu verlangen. Dies ging dann so vor sich: die Buben,
die "am Maibaum gehen" wollten (die also
bei der "Kirbai" mitmachen wollten), verlangten (erbaten)
von den Eltern des ausgewählten Mädchens
die Erlaubnis, mit ihr "am Maibaam gehen" zu dürfen.
Das bedeutete, dass der Bube die Pflicht
hatte, sein "Mädel" in der "Kirbaizeit", (die Tanz-Saison
die nach der Getreideernte begann und
am Kathreinball im November endete) im 1. und 4. Tanz
jeder Tanzveranstaltung zum Tanz zu führen
hatte und auch dafür sorgen mußte, dass sie in
den restlichen Tänzen nicht "sitzen
bleiben" mußte. Hierfür bildeten je 3–5 Paare
eine "Gesellschaft" und die Buben sorgten
im Wechsel, daß die Mädel ständig ihren
Tanz bekamen. Dafür hatten die "Kirbaibuben"das
Recht, ihre Mädchen 2-3 mal wöchentlich
im Elternhause zu "besuchen". (die sogenannten
"Kumm-Abende"). Außerdem durften die
Buben ihr Mädel Abends (Nachts) nach
dem Tanz "heimbringen", wobei die Mutter oder Großmutter
als "Aufpasserin" nicht fehlen durfte.
Dabei wurde auch manchmal von denen "ein Auge zugedrückt".
Besonders, wenn der Bube ernste Absichten
hatte und sich das Paar "versprechen" (verloben) wollte.
Die "Kirbaimädle" hatten die Pflicht,
ihrem Buben bei der Kirchweih "den Hut zu putzen"
(mit Wachsblumenstrauß und Bänder
zu schmücken).
An den drei Kirchweihtagen und eventuell
am Sonntag darauf luden die Mädel ihren Buben
und die Mitglieder der "Tanzgesellschaft"
je einmal zum "Nachtessen" ein, dass zumeist um
Mitternacht stattfand. (im Elternhaus
und von der Mutter und den Verwandten vorbereitet).
Da durch das ausnehmend reichliche "Feiertagsessen"
zu hause für den Magen schon
überreichlich gesorgt war, hatte
Pfarrer Böhm wohl das Mitternachtsessen als überflüssig
betrachtet und ihn bewogen, von der "Freßkirchweih"
zu sprechen (wo doch gerade von
den Buben und Mädchen das "Nachtessen"
mit Freude und Spaß genossen wurde!).
Verlauf der "Kirbai".
Schon einige Wochen vor dem Fest wurden
von den Buben der "Kirchweihgesellschaft"
die "Geldherren" gewählt oder bestätigt,
falls sich nur ein Paar für dieses Ehrenamt meldete
(das mit viel Arbeit, Unkosten und manchmal
auch Ärger verbunden war). Die Geldherren
bestimmten über die Auswahl der Gassenmusik
(die manchmal eine andere als die
Saalmusik war), über den Ankauf von
Hut und Tüchel (die am "Maibaam" aufgezogen
und am Kirchweihsonntag verlost wurden),
sie bestimmten auch über die Höhe des Geldbetrages,
den die "Kirchweihbuben" für die
gemeinsamen Auslagen zu zahlen hatten. Natürlich legten sie dazu
eine Abrechnung vor. Zu den Gepflogenheiten
gehörte es, daß die Geldherren die ganze
Kirchweihgesellschaft mit Musik
zu einem Essen einluden, welches zumeist am Kirchweihsonntag
Mittag im "Wirtshaus" oder in den Elternhäuser
der Geldherren stattfand.
Wenn sich keine Buben als Geldherren bereit
fanden, wurden Rechnungsführer gewählt.
Diese hatten die gleichen Aufgaben wie
die Geldherren, nur brauchten sie kein Essen spendieren.
Am Kirchweihsamstag in der Frühe wurden
vom "Sandloch" einige Fuhren Sand in die
Dorfmitte gefahren (Kreuzung Hauptstraße-
Kirchengasse) und ausgestreut, für den Fall,
daß man bei Regen nicht im Dreck
stehen mußte. Dort hatte inzwischen der Schoa (Renon)
Jakob, der Jahrelang diese Arbeit machte,
schon angefangen, das Loch für den "Maibaam"
auszuheben. Dabei mußte er aufpassen,
daß er im alten Loch gelangte und die dort im
Vorjahr vergrabene Weinflasche unversehrt
herausnehmen konnte. Dann wurde den Helfern
und sich selbst immer wieder ein Schluck
aus der Flasche angeboten, was Spaß machte und
die Herumstehenden und dem Treiben zusehende
Schuljugend und andere
neugierige Zuschauer zum lauten Gejohle
und "Kirbai"- Rufen veranlaßte.
Am Samstag Nachmittag gegen 2 Uhr trafen
sich die Kirchweihbuben im Wirtshaus,
wo der Kirchweihtanz stattfand, beim Cocron
(Tjander- später Camin) Vetter Heinrich
(früher beim"Tudeljud- Wolf) Vetter
Hans oder Aron (Kino) oder wer immer der
Wirt war. Von dort wurde der in der Kegelbahn
gelagerte, in den Landesfarben gestrichene,
mit Palmbuschen und Bändern geputzte
"Maibaam" (der aus einem geschälten Tannen- oder
Fichtenstamm bestand und oft 20-25 m lang
und entsprechend schwer war) von den Buben
auf die Schulter genommen und mit Musikbegleitung
zum Aufstellen an das inzwischen fertiggestellte
Loch getragen und mit Hilfe von Leitern
und Stangenscheeren, unter oftmaligen Rufen der Geldherren:
Bube, was ham´r heit? "Kirbai",
Musikstückeln und Stärkungen mit der Weinflasche aufgestellt.
Das war keine leichte Arbeit und erforderte
Geschick und Übung. Es kam auch manchmal vor,
daß der Maibaum entzweibrach und
dann gestückelt werden mußte. Wenn er nun fertig stand,
wurde ein Reigen getanzt und es begann
der Rundgang durch das Dorf von einem zum
anderen Kirchweihbuben, wo man überall
mit Kuchen, Salzkipfeln, Wein und Bier bewirtet
wurde, was zur Folge hatte, daß
man bis zum Abend, wo man sich wieder im Wirtshaus einfand,
"gut gelaunt" war und das Abendessen,
welches oft von einem der Geldherren spendiert wurde,
in bester Laune eingenommen wurde.
Von dem aufstellen des "Maibaam" und dem
Rundgang im Dorf zum "Wein und Kuchen
verkosten" sowie den anderen Kirchweihbräuchen
schreibt Pfarrer Böhm (Heimatbuch S. 392) :
"Ist der Maibaum aufgestellt, da wird
nun um den Baum nicht getanzt, sondern herumgesprungen
und getobt, als ob alle von Sinnen wären.
Und dieses Herumtoben geschieht
die drei Tage und Nächte hindurch,
so oft sie auf der Gasse bei diesem Baum vorübergehen...".
Und weiter auf Seite 394: "Das sind für
solide oder gar kranke Leute Nächte, welche einen
Vorgeschmack der Höllenqualen bieten
können"... Und weiter: "Mittwoch früh befindet sich die
Jugend wie die Fliegen im Herbst: doch
wird gegen 9 Uhr Vormittag unter Gejohle der
Jugend und mehrerer hinzu herbeigezogener
Lumpen (arme Reisende), von welchem
Bettlergesindel Triebswetter an diesen
Tagen voll ist, der Maibaum herausgenommen und von den
besoffenen und liederlichen Subjekten
unter Musikklängen in ein Haus getragen und daselbst bis zum
nächsten Jahr aufbewahrt"... Soweit
dieser kurze Auszug aus Pfarrer Böhm´ s Beschreibung der
Triebswetterer Kirchweih. Es bedarf wohl
keines weiteren Kommentars!
DER KIRBAIHUT
Und nun zum weiteren Verlauf der " Kirbai
" :
Nach dem gemeinsamen Abendessen, in dessen
Verlauf die Lose für Hut und Tüchel
ausgegeben wurden, brachten die Buben
ihren Mädchen die Hüte zum aufputzen.
Die Mädchen wetteiferten darin, "ihrem
Buben" ja den schönsten Hut zu schmücken,
mit Wachsblumensträußchen und
Bändern in allen Farben.
Es war schon eine Pracht, die schönen
Hüte anzusehen.
Dabei wurde aber beobachtet, daß
der überlieferte Brauch eingehalten wurde, dass nämlich
der Wachsblumenstrauß nur einseitig
angeheftet wurde. Nur die Geldherren
oder Rechnungsführer durften den
Strauß rund um den Hut haben.
KIRBAISONNTAG
Am Sonntag schon in aller Früh fing
das anstrengende Programm für die "Kirbaibube" an.
Sie mußten sich auf den Weg machen,
um ihre Lose an Verwandte, Bekannte oder Nachbarn zu verkaufen.
Mit dem Erlös der Lose wurde ein
Teil der Unkosten abgedeckt, welche die Buben zu tragen hatten.
Gegen 9 Uhr trafen sich die Buben mit
den Mädchen im Wirtshaus, von wo
der Zug sich zum Abholen des "Kirbaistraußes"
auf den Marsch begab.
In den letzten Jahren bis vor dem Krieg
war das Aufputzen des Rosmarinstraußes vom
Vetter Schmidling Hans (Runde) gemacht
worden, der es verstand, den Strauß prächtig
"aufzuputzen", so daß es eine Verlockung
für jedes Mädel war, ihn zu besitzen und für
jeden Buben, ihn seinem Mädel zu
schenken. Beim Vetter Hans wurde man mit
Kuchen und Wein bewirtet, so daß
schon eine richtige "Kirchweihstimmung" aufkam.
Lange konnte man sich aber nicht verweilen,
denn es mußte der Weg zur Kirche angetreten
werden, wo um 10 Uhr das gemeinsame Hochamt
vom jeweiligen Pfarrer zelebriert wurde.
Nach dem erteilten Segen für die
Paare und den Strauß, begab sich der Zug ins Pfarrhaus, wo der
Herr Pfarrer und nachher ins Gemeindehaus
wo der "Richter" (Bürgermeister)
und Gemeindevorstand zum Fest eingeladen
wurden.
Dabei wurde jedesmal. Wenn man am "Maibaum"
vorbei kam, ein "Stückl" gespielt und
ein Reigen getanzt und das laute "Kirbai"
– Rufen wollte kein Ende nehmen.
Vom Maibaum wurde ins Wirtshaus marschiert,
wo der 1. Geldherr
ein Essen für die Kirchweihpaare
und Musik spendierte.
STRAUSSVERSTEIGERUNG
Nach dem Essen begann der Höhepunkt
des Festes. Der Kirchweihzug marschierte
zur Dorfmitte "am Maibaam". Dort wurde
im Kreis um den Baum Aufstellung genommen,
in der Mitte auf einem Tisch die beiden
Geldherren mit "Vorstrauß".
Der erste Geldherr begann mit dem "aufsagen
des Kirchweih-Spruches" worin
die Gäste begrüßt und
der Sinn des Festes dargelegt wurde.
Der 2. Geldherr sagte seinen Spruch in
Triebswetterer Mundart und betonte die
Bedingungen, zu denen der Strauß
"verlezitiert" (versteigert) wird.
Aus der Gesellschaft Lei for Lei, in der
Gesellschaft (d.h. innerhalb der Kirchweihgesellschaft)
10 Bani vum Lei" (1 Lei = 100 Bani). Die
Musik mußte auf jeden Fall in der Gesellschaft bleiben.
Die Kirchweihsprüche wurden von begabten,
mit einer dichterischen Ader versehenen
Person (zumeist Lehrer oder Pfarrer) aufgestellt
und oft von Jahr zu Jahr von den Geldherren
übernommen. Ein Beispiel, wie es
in unserem Heimatbuch Triebswetter(S. 394) nachzulesen ist:
Geldherr: Willkommen ruf ich, groß und klein!
Auch alle Gäste grüßen wir,
In unsrem trauten Kreise hier." (Musik)
Geldherr: Liebe Leit un Kirbaigäscht,
E aldi Sitt, des muss ich saan,
Is Kirbaifescht un Maiebaam!" (Musik)
Nach den Kirchweihsprüchen der Geldherren
begann die Versteigerung des Kirchweihstraußes (Vorstrauß).
Der 1. Geldherr fing an. "Tausend Lei
zum Ersten, wer gibt mehr?" und so ging es dann weiter, bis sich
keiner mehr zum Überbieten meldete
und der Höchstbietende bekam den Zuschlag.
Die Versteigerung wurde immer wieder durch
Musik-Stückl und "Kirbai"-Rufen unterbrochen
und zog sich oft, je nach Anzahl der Bietenden
und dem guten Mundwerk der Geldherren, stundenlang
hin.War der Zuschlag getan ("un zum dritten")
erhielt der letzte Bieter den Strauß, der ihn dann
seinem Mädel überreichte und
mit ihr den Vortanz einleitete, wonach alle Kirchweihbuben der Reihe
nach paar Schritte mit der Vortänzerin
tanzten. Daraufhin wurde von einem der Buben das Gewinnlos
für den Hut und Tüchl gezogen
und dem Gewinner unter Beifallrufen übergeben, nachdem sie mit Hilfe
der Schnur vom Maibaum herabgelassen wurden.
Nun formierten sich die Kirchweihpaare, um die
Vortänzerin mit dem Vorstrauß
heimzubegleiten, wo dann alle mit Kuchen und
Getränken bewirtet und zu einem Essen
eingeladen wurden. Dieses fand am Montag
oder Dienstag Mittag im Elternhaus der
Vortänzerin statt. Soweit ich mich erinnern
kann und erfahren konnte, gab es in den
30-er Jahren folgende Vortänzerinnen:
1932 : Maria Marschall,
überreicht durch Nikolaus Kohlen,
1935 : Katharina
Hehn, überreicht durch Sebastian Domele,
1936 : Maria
Lux, überreicht durch Johann Renon,
1937 : Rosina
Schreyer, überreicht durch Johann Schady,
1938 : Magdalena
Crischan; überreicht durch Nik. Rossner,
1939 : Maria
Pier, überreicht durch Nikolaus Kiefer,
1940 : Katharina
Wolf, überreicht durch Eduard Sendeff,
In diesen Jahren
waren Geldherren, bzw. Rechnungsprüfer:
1932 : Johann
Fritz mit Maria Schady und Des. Schaag mit Katharina Domele
1935 : Johann
Klein mit Maria Wegl und Johann Oberten mit Margaretha Wolf
1936 : Nikolaus
Fritz mit Margaretha Keller und Johann Roth mit Margaretha Wolf
1937 : Johann
Schady mit Rosina Schreyer und Franz Polen mit Maria Born
1938 : Johann
Schady mit Rosina Schreyer und Nikolaus Oberten mit Margaretha Bach
1939 : Jokob
Schorsch mit Rosina Simone und Michael König mit Barbara Ratschoff
1940 : Nikolaus
Wolf mit Else Dama und Nikolaus Pierre mit Franziska Domele
Wer in den Jahren
1933-34 die Geldherren und Vortänzerinnen waren, konnte ich
trotz vieler
Bemühungen nicht mehr feststellen.
Ich möchte hier festhalten, daß
ich diesen Rückblick nur nach zahlreichen Rückfragen unter
Mitwirkung vieler Landsleute machen konnte,
denen ich hier danken möchte.
Für eventuelle Fehlangaben, die nach
so vielen Jahren durch Erinnerungslücken
entstanden sein können, entschuldige
ich mich bei den Betroffenen.
Und nun weiter mit meiner Schilderung:
Am Kirchweih-Montag und Dienstag
nach dem Mittagessen wurde die Vortänzerin von
den Kirchweihpaaren mit Musik "abgeholt"
und in das Wirtshaus begleitet. Nach dem Nachmittagstanz
gegen Abend wieder heimbegleitet. Jedesmal
gab es eine Bewirtung für die Kirchweihpaare und die
Musikanten, so daß der "Vorstrauß",
obzwar für die Eltern und Mädchen eine große Ehre, doch
mit
Aufwand und Aufgaben verbunden war. Es
hat Fälle gegeben, wo der Vorstrauß deswegen und
vielleicht auch wegen dem Überreicher
unwillkommen war und demzufolge die Kirchweihpaare
unbefristet blieben und mit langen Gesichtern
und leerem Magen abgezogen sind.
Namen möchte ich hier keine nennen,
möge der Mantel des Vergessens über
diese beschämenden Tatsachen gebreitet
bleiben.
Es war nur natürlich, daß diese
drei Tage und Nächte mit Tanz (hier soll nicht der von Buben
und Mädchen mit klopfenden Herzen
herbeigesehnte und oft gefürchtete "Schwiegervater" und
"Schwiegermutter" – Tanz vergessen werden,
bei dem die Mädchen den Vater ihres "Kirbaibuben"
zum Tanz aufforderten und zum Dank von
diesem eine Schachtel Schokolade oder Pralinen als
Geschenk erhielten und die Buben, welche
die Mutter ihres Mädchens zum Tanz holten, von denen
eine Flasche Bier, Cognac oder Likör
erhielten) herummarschieren, essen, trinken, "johlen"
und zu wenig Schlaf sich bei den Beteiligten
bemerkbar machte.
WIE DIE FLIEGEN IM HERBST
Und so war es kein Wunder, wenn am Mittwoch
morgen, da die Kirchweihbuben den Maibaum
"roppen" (herausnehmen) gingen, diese
einen etwas müden Eindruck machten, was wohl Pfarrer
Böhm veranlaßte: "wie die Fliegen
im Herbst" in seiner Beschreibung der "Kirbai" zu bemerken.
Nun, ganz so schlimm war es ja wohl nicht,
sonst wäre es ja nicht gelungen, den Maibaum
jedesmal herauszunehmen und ins Wirtshaus
zur Aufbewahrung zu bringen.
Bevor das offene Loch zugeschüttet
wurde, kam wieder eine Flasche
Wein für das nächste Jahr hinein,
um die Tradition zu bewahren.
Mit dieser symbolischen Tat war die "Kirbai"
offiziell "begraben".
Zwar war am darauffolgenden Sonntag und
an Kathtrein (26. Nov.) noch Tanz (die sogenannte
Nachkirchweih) und die Kirchweihpaare
blieben am allgemeinen noch beisammen, doch war
es nur eine Tanzunterhaltung wie die Sonntage
vor der Kirchweih.
KATHREIN, SPERRT DIE GEIGE EIN
An Kathrein hieß es dann, wie schon
100 Jahre vorher: "Kathrein sperrt die Geige ein".
Bis nach Weihnachten gab es keine Tanzunterhaltung
mehr.
Nach dem Krieg wurde wiederholt versucht,
den alten Brauch wieder aufleben zu lassen,
doch blieb es nur bei sporadischen Versuchen,
die wegen zu geringem Interesse,
den politischen Verhältnissen, dem
Mangel an Jugendlichen und Musikanten, infolge Kriegsverluste,
Rußland- und Baraganverschleppung
sowie der wirtschaftlichen Not nur Versuche blieben.
NEUANFANG
Erst in den 70- er und 80-er Jahren wurde
der Brauch dank der Bemühungen einiger Lehrer
und Lehrerinnen (besonders zu erwähnen
Helga
Heidinger) wieder eingeführt, jedoch mit
entscheidenden Einschränkungen: So
wurde die "Kirbai" statt im November, wieder im
August am Dreifaltigkeitssonntag abgehalten,
wegen der Studenten, die dann Ferien hatten
und die gebraucht wurden, weil sonst zu
wenig Jugendliche im Ort waren. Außerdem beschränkte
sich die "Kirbai" zumeist auf einen Tag
wegen der zu dieser Zeit noch reichlichen Arbeit.
Im Jahre 1989, als die letzte "Kirbai",
die diesen Namen noch verdiente abgehalten wurde,
hatte man einige Paare aus den Nachbargemeinden
einladen müssen, damit genügend
Paare da waren, um sich zu zeigen und
um die Ausgaben in erträglicher Höhe halten zu können.
Nach der Revolution in Rumänien, in
den 90-er Jahren wurde von LM. Ing. Heinz Vogel einige
Jahre lang der Versuch gemacht, die "Kirbai"
wieder einzuführen. Da aber letztlich nur noch 6
deutschstämmige Paare in Triebswetter
aufzutreiben waren, sah man sich gezwungen, aus
dem ganzen Banat Paare einzuladen, so
daß zwar ca. 50 Paare zusammenkamen. Wovon die
wenigsten aber Deutsche waren, so daß
von einer schwäbischen Kirchweih nicht mehr die Rede sein konnte.
Hinzu kann noch, daß LM. Vogel für
alle Eingeladenen die Kosten für die jeweils stattgefundene
Wallfahrt nach Maria Radna sowie für
das Gemeinschaftsessen selbst tragen mußte,
so daß die Veranstaltung für
ihn finanziell nicht mehr tragbar war. (LM= Landsmann)
Damit kann man wohl sagen, die Triebswetterer
"Kirbai" hat sich "ausgelebt", zumal es
wohl auch keinen Sinn haben dürfte,
bei unseren Heimattreffen eine Kirchweih aufzuziehen.
Es würde sowieso nur eine Show werden.
Bevor ich zum Abschluß dieses Rückblickes
komme, will ich noch einige Worte zu der
Tracht der Kirchweihpaare und zu
den Musikkapellen beifügen.
Bis in die Jahre nach dem I. Weltkrieg
(1925-1930) gingen die Paare in schwäbischer (Triebswetterer)
Tracht. Nach 1930 wurde es "Mode" sich
"herrisch" zu tragen, was sich dann auch in der Kirchweih
durchsetzte. Im 1940, der letzten Kirchweih
vor dem Krieg, bei der zum ersten Male die Buben aus beiden
Wirtschaften (Cocron und Landwirtschaftsverein)
zusammen gingen und je einen Geldherr stellten,
war wieder Tracht getragen worden. Auch
in allen späteren sogenannten Kirchweihveranstaltungen
bis zuletzt in den 90-er Jahren trug man
Tracht.
Die Musikanten in den 30-er Jahren
waren die Marker- bzw. Roth- und später die Piard-Kapelle.
Nach dem Krieg wurden als Marschmusik
meist auswärtige Kapellen verpflichtet, weil es zu wenig
ältere Musikanten gab (durch Rußland-und
Baraganverschleppung sowie dem Absterben der Alten).
Zwar hatte LM. Franz
Balzer eine beachtenswerte Jugendkapelle aufgestellt,
doch die spielten keine Marschmusik zur
Kirchweih.
Noch einige Worte zu den Tanzlokalen,
in denen der "Kirbaitanz" abgehalten wurde: Im "großen
Wirtshaus" (früher Gasthaus Wolf-Tudeljud,
nachher beim Aron und in den 30-er Jahren
beim Cocron) wurde die in dieser Aufzeichnung
beschriebene "Kirbai" abgehalten.
Aber auch im "Verein" (Landwirtschaftsverein)
wurde Kirchweih gefeiert. Doch nur an den eigentlichen
drei Kirchweihtagen und ohne den Aufmarsch
und Umzug durch den Ort. Geldherren gab es aber auch
und vor dem Vereinslokal wurde ein kleiner
"Maibaam" gestellt und auch ein Vorstrauß wurde
versteigert. Den "Schwiegervater"- und
"Schwiegermutter"-Tanz wie
im großen Wirtshaus gab es aber
nicht im "Verein".
Behalten wir also unsere "Kirbai" , wie
sie in den alten und normalen Zeiten war, in unserer
Erinnerung wach. Dazu soll dieser Artikel
beitragen. Es war ein schöner und sinnvoller Brauch.
Denn es war für die meisten Jugendlichen
eine Gelegenheit, ihre Freizeit in sittsamen und fröhlichem
Rahmen zu verbringen und sich näher
kennenzulernen. Aus vielen ehemaligen "Kirchweihpaaren"
sind später Ehepaare geworden. Wir
"Alten", die diese echte alte "Kirbai" mitgemacht und erlebt
haben, denken gerne daran zurück
und bedauern, daß auch dieser schöne
Brauch, wie so viele andere, mit der alten
Heimat verloren ist.